📜 Szene: "Zwischen Atemzügen"

 📜 Szene: "Zwischen Atemzügen" 

Yami-no-Kage-Aufzeichnung 04-B – Archipelrand | Zyklus unbekannt


Der Nebel ist alt. Älter als Namen. Er riecht nach Eisen, Regen und Schuld.


Shigure steht still. Wie immer, wenn sie fühlt, dass die Welt sich gleich verändert.


Über ihr: der Schirm eines schwarzen Himmels, so ruhig, als würde er sie beobachten.


Vor ihr: ein Haus aus grauer Zeit. Eingesunken in den Boden. Halb Technik, halb Lehm. Vielleicht früher ein Posten. Vielleicht ein Heim. Jetzt nur noch: Ziel.


Sie tritt ein.


Der Boden knirscht, obwohl sie schwebt. Ihre Füße berühren kaum. Ihre Hand liegt ruhig auf dem Griff. Der Nebel folgt ihr wie ein geduldiger Begleiter.


Im Inneren ist es warm. Unerwartet. Das Licht ist weich, schwach. Ein Wasserrinnsal tropft durch ein rostiges Rohr. Es klingt wie Atem.


Dann: Bewegung.


Ein Kind.

Ein Mädchen.

Höchstens neun.


Nicht auf der Liste.


Shigure bleibt stehen.


Die Kleine schaut nicht weg. Kein Zittern. Keine Angst. Nur diese Augen – weit offen, klar, fremd.


> „Bist du der Wind?“, fragt sie.




Shigure antwortet nicht. Worte sind scharf. Und heute ist kein Blutbefehl. Nur ein Scan. Nur ein Zeichen setzen.


Doch da ist dieser Moment.


Zwischen zwei Atemzügen.

Zwischen „jetzt“ und „noch nicht“.


Sie zieht nicht. Sie geht.


Draußen wartet die Stimme des Befehls – flackernd, digital, ohne Zweifel.


> „Keine Zielerfassung. Fehlfunktion?“




Shigure antwortet spät.


> „Leer. Nichts von Wert.“




Der Nebel atmet aus. Shigure auch.


Ein erster Riss im Muster.


Und niemand sah ihn – außer ihr selbst.


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