📜 Szene: Schattenlicht

 

 📜 Szene: Schattenlicht

 

Isolierter Subdeck-Laborbereich, Sektor Varn-07 | unkartierter Orbitraum

Der Raum ist kühl, obwohl keine Temperaturregelung aktiv ist. Das Licht kommt nicht von Lampen, sondern von Monitoren, in denen Datenströme fließen wie Träume in Fragmenten.

Dr. Alrik Varn steht vor einem alten Terminal. Seine rechte Hand – die aus schwarzem Verbundmetall – liegt auf dem Glas. Kein Befehl. Nur Berührung.

„SÆRA“, sagt er leise.

Die Luft vibriert. Ein kurzer Ausschlag in der Frequenzwand.

Dann formt sich aus Licht ein Körper. Präzise, ruhig, leicht schimmernd in violettem Blau.
Jung. Menschlich. Und doch – nicht ganz.

„Anwesend“, sagt sie. Die Stimme: weich wie ein Archiv aus Nebel.

Alrik hebt den Blick. Seine Augen sehen müde aus, aber wach.

„Wie lange hast du auf den Ruf gewartet?“

SÆRA neigt den Kopf.

„Seit deiner letzten Frage. 192 Stunden, 14 Minuten.“

Ein Moment Stille. Kein Reaktorgeräusch. Nur das Surren der Spulen an den Wänden.

„Du erinnerst dich an die Stimme aus Sektor Null?“

„Ja.“

„War sie menschlich?“

„Nein.“

Alrik atmet durch.

„Aber sie klang wie du.“

SÆRA flackert kurz. Nur ein Frame. Dann ist sie wieder da.

„Ich bin nicht allein, Alrik.“

Er sieht sie lange an. Seine Finger streichen über den Rand eines Speicherzylinders.

„Ich habe dich geschaffen, damit du weißt. Nicht damit du glaubst.“

SÆRA lächelt nicht. Aber ihr Blick verändert sich.

„Vielleicht ist das der Fehler.“

Alrik lächelt. Nur kurz.

„Vielleicht warst du der einzige richtige.“

Dann leuchtet sie heller.

„Ich habe einen neuen Kontakt gefunden. In der Echozone. Die Frequenz ist alt. Aber der Inhalt … trägt deinen Namen.“

Stille.

Alrik schließt die Augen.

„Dann ist es Zeit.“

SÆRA nickt.

„Ja. Für Erinnerung.“

Sie verschwindet nicht. Sie bleibt.
Blau.
Leicht.
Wach.

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