📜 Shiori – Innerer Monolog: „Sieben Spiegel“

 📜 Shiori – Innerer Monolog: „Sieben Spiegel“


> Es war kein Tee.

Es war ein Spiegel.

Und niemand bemerkte, wie viele Dinge er zeigte –

außer ihr.




Sie hatte nicht viel getrunken.

Musste sie auch nicht.

Denn der Dampf erzählte genug.


Momiji war wie ein Blatt auf Wasser –

ruhig, aber nur solange niemand sie berührte.

Ihre Hand wackelte ganz leicht beim Eingießen.

Nicht aus Unsicherheit.

Sondern weil sie an jemand dachte.

Shiori wusste es.

Sie spürte es im Winkel der Bewegung.


Sakura hatte bewusst einen Tropfen zu viel gegossen –

und ihn nicht weggewischt.

Ein Signal.

An jemanden, der noch nicht im Raum war.

Oder nie kam.


Shigure war eine Oberfläche ohne Wellen.

Aber Shiori sah:

Der Tee hatte ihren Blick gespiegelt –

und sie hatte nicht weggesehen.

Für Shigure war das viel.


Kaiya hatte getrunken,

aber erst nach dem vierten Atemzug.

Sie hatte gezählt.

Und dabei einmal geblinzelt,

als Miko sie ansah.


> „Sie denkt, niemand sieht sie loslassen.

Aber der Tee hat es mir gezeigt.“




Rin war lautlos geworden.

Das allein war schon bedeutsam.

Aber der Moment,

in dem sie die Schale fast fallen ließ –

das war ein Schnitt.

Kein Unfall.

Ein Gedanke, der schwerer war als ihr Griff.


Miko…

war Dampf.

War Gegenwart.

War Abwesenheit.

War genau das,

was Shiori selbst nie aussprechen konnte.


Und sie selbst?


Shiori trank.

Nicht, um zu schmecken.

Sondern um zu spiegeln.

Denn manchmal,

wenn die Welt nicht zuhört,

muss man ihr den Spiegel vorhalten.


> „Und dieser Tee –

war klar genug,

um sieben Silhouetten

in einem einzigen Tropfen zu zeigen.“

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