📜 Szene: „Vier Schatten – ein Flüstern“
📜 Szene: „Vier Schatten – ein Flüstern“
Ort: Verborgener Waldschrein – Grenzlinie zwischen Shin’Yami und dem verbotenen Regen
Zeit: Unbestimmt – es ist Nebel, nicht Nacht
Subjekte: Momiji, Sakura, Shigure, Kaiya Ren
Status: Freiwillige Einkehr – kein Befehl
Der Pfad war mit Moos bedeckt.
Kein Wind.
Nur Stille, die bereit war, zuzuhören.
Die vier erschienen einzeln –
nicht abgesprochen,
aber auch nicht zufällig.
Momiji war die Erste.
Ihre Klinge blieb am Eingang –
in eine Wurzel geschoben,
als Zeichen:
„Heute nicht schneiden.“
Sakura trat aus einem Blütenschleier.
Ihr Fächer war geschlossen.
Die Düfte verstummt –
nicht aus Mangel,
sondern aus Respekt.
Shigure trat mit Tropfen im Haar,
obwohl kein Regen fiel.
Sie wischte sie nicht weg.
Denn:
„Der Schrein kennt Wasser. Und was es trägt.“
Kaiya erschien zuletzt.
Ihre Schritte waren schwerer –
nicht aus Last,
sondern aus Gewohnheit, allein zu gehen.
Und heute…
war sie das nicht.
Der Schrein war alt.
Stein, Holz, gebrochene Schriftzeichen,
von Wurzeln umrahmt.
Ein kleiner Gong.
Eine hölzerne Glocke.
Keine Figur.
Nur ein leerer Platz.
Denn der Kami hier hatte kein Gesicht.
Nur Bedeutung.
Die vier standen im Halbkreis.
Kein Gebet wurde gesprochen.
Nur Haltung.
Atem.
Augen geschlossen.
Herzen geöffnet.
Momiji legte ein Blatt.
Rot.
Sauber.
„Für das, was wir nicht wissen.“
Sakura hauchte einen Fächerzug,
der Blütenstaub freisetzte,
der sich nicht niederließ.
„Für das, was wir nie sagen konnten.“
Shigure ließ einen Tropfen aus ihrer Handfläche fallen.
Er traf den Stein.
Klar.
„Für das, was gewaschen werden muss.“
Kaiya?
Sie tat nichts.
Doch ihr Atem stockte.
Ein einziges Mal.
Und das reichte.
Der Gong schlug nicht.
Aber sie alle spürten,
dass etwas gehört wurde.
Kein Segen.
Kein Befehl.
Aber:
Ein stilles Gefühl von Gleichklang.
Von gesehen werden –
ohne gesehen zu werden.
Sie verbeugten sich.
Nicht gleichzeitig.
Aber ehrlich.
Und gingen.
Wieder einzeln.
Aber nicht wie Fremde.
Und der Schrein schwieg wieder.
Doch man sagt:
Seitdem blüht dort ein einzelnes Blatt –
trägt Pollen,
trägt Wasser,
und ist von einer unsichtbaren Klinge eingeritzt worden.











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