📜 Szene: „Die Träne aus Licht“

 

📜 Szene: „Die Träne aus Licht“

Ort: Tiefer Schacht in Orr’shaal – Abteilung „Unbenannte Fragmente“
Subjekt: Tomoya
Beobachterin: Miko (still)


Die Kammer atmete.

Nicht mechanisch.
Nicht mystisch.
Sondern wie ein Wesen, das seit Äonen vergessen hatte,
warum es überhaupt noch da war.

In ihrer Mitte:
Eine Stele aus glasgleichem Gestein.
Darauf: Nichts.

Und doch...
schwebte darüber ein Tropfen.

Keine Tinte.
Keine Seite.
Nur Licht – in Form einer stehenden Träne.

„Ist das ein Buch?“
Tomoya flüsterte es nicht.
Er dachte es.
Und die Träne zitterte.

Er näherte sich.

Das Licht zeigte keine Spiegelung.
Es zeigte Erinnerung.

Nicht seine.

Deine.

Fragmente von Leben, das nie war –
Verlust, den niemand zuordnen konnte –
Worte, die nicht geschrieben wurden,
weil niemand den Mut hatte, sie zu empfangen.

„Ein Manuskript, das sich nicht schreiben lässt,
weil es nur erscheinen kann,
wenn du bereit bist, nicht der Leser zu sein.“

Miko trat hinter ihn.
Kein Laut. Nur Gegenwart.

Tomoya sah in das Licht.

Und es begann zu schreiben.

Keine Worte.
Nur Muster.
Runen.
Verläufe.

Ein Gedächtnisstrom.
Nicht für ihn.
Aber durch ihn.

Er fiel nicht.
Aber er kniete.

Miko hob die Hand.
Berührte nicht das Licht.
Nur den Raum darum.

„Die Träne zeigt nicht, was war.
Sondern was niemals zugelassen wurde.“

Tomoya nickte.
Er verstand nicht –
aber er ließ es zu.

Und das Manuskript –
die Träne –
versank wieder.

Unsichtbar.
Unverloren.

Nur noch ein warmer Abdruck in seinem Geist.
Und ein Satz,
der sich nie vollständig schreiben wird:

„Ich war da,
wo du nie schreiben durftest.“


✨ Symbolik:

  • Die Träne aus Licht ist das Archiv der verdrängten Möglichkeiten.
    Sie zeigt nur jenen, die nicht mehr beweisen wollen, dass sie existieren – sondern akzeptieren, dass sie fühlen.

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